DPSG Stamm Wartbaum

Der Stamm Wartbaum

Wurzeln - Anfänge

1978 gab es keine Kinder- und Jugendgruppe in unserer Kirchengemeinde Sankt Maria in Windecken. Nicht zuletzt durch das Neubaugebiet "Leimenkaute" waren aber viele junge Familien und Kinder vor Ort, die gerne bei einer christlich orientierten Jugendgruppe mitmachen wollten.

Der kleine Christian Gottwald äußerte seiner Mutter gegenüber immer wieder den Wunsch, nach Oberursel zu ziehen. Denn dort war sein Patenonkel Peter Hartmann der Stammesvorsitzende bei der DPSG. Brigitte Gottwald ergriff die Initiative. Warum sollte das nicht auch in Windecken möglich sein? Sie lud Peter Hartmann nach Windecken ein und er berichtete von den Leitlinien und Zielen der DPSG.

Mit Unterstützung des damaligen Pfarrers Johannes Stadler waren vier Mütter bereit, Wunsch und Idee zu verwirklichen. Brigitte Gottwald, Ulla Groß, Jutta Hahn und Ursula Klusak ergriffen die Initiative. Zusammen mit Pfarrer Heiner Pies aus Bruchköbel – dem Kuraten vom Stamm Shalom – lernten sie in einem Leiterkurs mit Gleichgesinnten aus Bruchköbel die Jugendarbeit der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg kennen.

Das Projekt dieser Schulungsabende war die Gestaltung eines Informationsabends "DPSG – ein anderer Weg". Dieser fand am 17. Dezember 1978 im evangelischen Gemeindehaus in Windecken statt. Schon kurze Zeit später, voller Tatendrang und Begeisterung, wurde die erste Wölflingsgruppe gegründet. Es hat sich gelohnt.

Wie sollte unsere Stamm heißen? Zeitzeugen erinnern sich daran, dass es etwas möglichst Aussagekräftiges sein sollte, mit Bezug zu Windecken. So wurde ein Wettbewerb "Wie soll unser Pfadfinderstamm heißen?" veranstaltet. Oliver Scheu, ein kleiner Wölfling, hat den Wartbaum, das Wahrzeichen Windeckens vorgeschlagen. Eine tolle Idee. Heute scheint es selbstverständlich zu sein: Stamm Wartbaum. Ganz klar. Was sonst als das Wahrzeichen Windeckens sollte Namensgeber unseres Pfadfinderstammes in Windecken sein?


Der Stamm - Sein Name

Aber – was steckt – oder vielleicht besser WER ist der WARTBAUM?

1608 wird der Wartbaum urkundlich das erste Mal erwähnt. Dass ein Baum eine so lange Zeit überdauert und erstaunlich frisch und bedeutsam geblieben ist, ist ein schöner Gedanke, der zu einer Stammesgründung der Pfadfinder erstaunlich gut passt.

Bei einer "Warte" steht man, schaut in die Ferne, erahnt, wer oder was in der Zukunft kommen mag und hat den Blick nach allen Richtungen offen. So könnte man dem neuen Stamm Weitblick und Offenheit gewünscht haben, Neugier und frohe Erwartung in die Zukunft.

Die Hohe Straße – die alte Handelstraße zwischen Frankfurt und Leipzig - an der diese markante Linde steht, hat den Baum sicher Vielfältiges erleben lassen: Buntes Handelstreiben, Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Wanderer zwischen Kulturen und Welten. Langweilig war es sicher nicht, wenn man auf dem Weg der Hohen Straße mit offenen Augen und mit Interesse für seine Umwelt entlang zog, so könnte man es sich auch für den Stamm Wartbaum gewünscht haben. Und dass der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, auf seinem letzten Weg hier entlang getragen wurde, hat der Hohen Straße – und damit dem Wartbaum - eine besondere Würde verliehen.

Anno domini 1636 war der Wartbaum in die Befreiung Hanaus einbezogen, als die schwedischen und hessischen Truppen die kaiserlichen Truppen aus der Stadt vertrieben. Blutige Kämpfe und Krieg sind wohl eher das Gegenteil der Absichten der Pfadfinderbewegung, es ist aber sicher nicht falsch, an die Feiern zu Ehren des Belagerungsendes zu denken, die ja im noch heute zelebrierten Hanauer Lamboy–Fest zum Ausdruck kommen. Feiern ist sicher etwas für Pfadfinder! Bei der Gedenkfeier 1863 zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig sollen am Wartbaum übrigens mehrere tausend Personen teilgenommen haben – vielleicht ein Omen für die zukünftigen Mitgliedszahlen im Stamm Wartbaum?

Die Linde selbst ist ein Naturdenkmal. Und ein besonders schönes noch dazu! Sie ist ein Nutzbaum und die Heilkraft ihrer Blüten ist wohlbekannt. Ihre Rinde und die Holzkohle gelten als heilendes Magen– oder Darmmittel. Davon abgesehen sind Lindenblütenhonig und –tee sehr geschätzt. So wäre der Name also Programm für Hilfe und Heilen. Gerade in einer Zeit der Hektik und des Stresses könnten Pfadfinder andere Werte vermitteln. Werte, die dem Menschen helfen.


Die Krone - Philosophie

Wichtig für Pfadfinder ist das Erleben von Natur und in den Zeltlagern ein Leben in und mit der Natur. Dabei werden Kenntnisse und Erfahrungen vermittelt, die Kindern und Jugendlichen heute größtenteils unbekannt sind. So könnte die Namensgebung auch den Wunsch ausdrücken, die Natur besser kennen zu lernen und von ihr zu lernen. Voraussetzungen, um die Natur schützen zu wollen und zu können.

Auf allen Karten ist der Wartbaum als Orientierungspunkt und Wegweiser eingezeichnet. Für die Pfadfinder stellt sich mit diesem Namen auch die Frage, wer oder was Wegweiser und Orientierungpunkt in ihrem Leben ist. Der volle Name: Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, Stamm Wartbaum, stellt den Heiligen Georg und seine Werte dem Eigennamen voran. Damit wird der deutliche Bezug zu christlichen Werten hergestellt.

Dies war übrigens – so erzählt Brigitte Gottwald, die "Gründungsmutter"– das Kernanliegen: vor mehr als 30 Jahren wurde ein Pfadfinderstamm auf christliche Werte und mit christlichem Bezug gegründet. Der Name "Stamm Wartbaum" sollte diese Werte mit dem vollen Leben in Vergangenheit, Gegenwart und für die Zukunft verbinden.

In diesem Sinne hätten wir heute sicher auch den Wartbaum als Namensgeber unseres Pfadfinderstammes gewählt.